Andreas Zangger

Andreas Zangger

Dr. phil. (Universität Zürich, 2011), freischaffender Historiker

Sein erstes Forschungsmaterial – oder Menschenmaterial, wenn wir die blutrünstige Metapher Marc Blochs aufnehmen – fand Andreas Zangger unter Biologen und anderen Naturwissenschaftlern. Seine Lizentiatsarbeit beschäftigte sich mit Systemtheorie in der Biologie und Vorstellungen der geplanten Gesellschaft, eine Arbeit, die er später als Kollegiat am Collegium Helveticum der ETH Zürich vertieft hat. Es war für ihn ein Grenzgang, denn die Wissenschaftsgeschichte war damals in der Schweiz ein noch wenig bearbeitetes Fachgebiet.

Grenzen und Grenzüberschreitungen blieben für ihn ein Thema. Seine Promotion beschäftigt sich mit Schweizern in den Handelshäusern Singapurs und den Plantagen Sumatras. Ebenso zeigt sie die Verflechtungen zwischen dem südostasiatischen Inselreich und der Schweiz. Denn wie die Europäer die koloniale Welt gestaltet haben, so hat auch die koloniale Welt Europa überhaupt geschaffen, wie Frantz Fanon provokativ festgehalten hat. Die Promotion erschien 2011 unter dem Titel «Koloniale Schweiz – Ein Stück Globalgeschichte zwischen Europa und Südostasien, 1860–1930» beim transcript Verlag. Die Forschung für seine Promotion hat Andreas Zangger auch ganz wörtlich Grenzen überschreiten lassen. Er lebt mittlerweile als freischaffender Historiker in Amsterdam.

Grenzüberquerungen und Verflechtungen beschäftigen Andreas Zangger bei seinen Forschungen auch weiterhin. 2020 hat er ein dreijähriges  Forschungsprojekt zu den Handelsnetzwerken der Ostschweizer Textilindustrie begonnen. Das Buch «Der lange Arm der Ostschweiz: Handelsnetzwerke der Textilindustrie 1780–1914» wird Ende 2023 erscheinen.

Zuvor arbeitete Andreas Zangger für das Johannn Jacobs Museum in Zürich und für die Neue Zürcher Zeitung. Sehen sie auch das Gespräch vom Mai 2014 mit Alexander Kluge unter dem Titel «Eidgenossen in den Kolonien».

Eine ausgebreitete Literaturliste, teilweise mit Volltexten findet sich auf researchgate.net.

Veröffentlichungen

(Auswahl)

Koloniale Schweiz – Ein Stück Globalgeschichte zwischen Europa und Südostasien, 1860–1930, Transcript Verlag: Bielefeld, 2011.

So umfassend profitierte die Schweiz vom Kolonialismus. Artikel im Dossier Die Schweiz und der Kolonialismus auf Swissinfo, August 2020.

Ferne Welten – fremde Schätze, Ethnographische Objekte und frühe Fotografien aus Niederländisch-Indien im Museum Heiden. Herausgegeben gemeinsam mit Ralph Harb. Biel: Edition Clandestin, 2020.

Ein Bündner Jagdhund in Indonesien. Die Wochenzeitung, Nr. 33 vom 15. August 2019. S. 13-15.

Balthasar im Pfefferland: Das Schicksal eines Bündner Söldners auf Java (1859– 62). Bündner Monatsblatt. 2, 2019. S. 210–33.

Eine kleine globale Kartographie des Seefelds. in: Das Jacobs Haus. Roger M. Bürgel, Kathrin Meier-Rust (Eds.). Zürich: Scheidegger & Spiess, 2015.

Patriotic Bonds and the Danger of Estrangement: Swiss Networks in Colonial South-East Asia, 1850-1930. in: Colonial Switzerland. Patricia Purtschert, Harald Fischer-Tiné (Eds.). Cambidge: Palgrave & Macmillan, 2015.

Chops and trademarks: Asian trading ports and textile branding, 1840–1920. Enterprise & Society, 15 (4): 759–790. December 2014.

Die Geschichte hinter dem schnellen Geld, in: Villa Patumbah, Monographien der Denkmalpflege 7, Zürich, 2014, S. 40-71.

Schweizer Seidenhändler in Japan. In: Kirschblüte & Edelweiss: Katalog zur Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen, 2014.

The Swiss in Singapore. Editions Didier Millet: Singapore, 2013.